Booggie-Wooggie

Booggie-Wooggie… tanzen bis der Arzt schimpft Gisela & Walter Dufner

von Ingrid Walter, walter-wortware.de / Foto: lemnitzer-fotografie.de

Sie trägt einen kirschroten Pettycoat mit weißen Tupfen, er eine schwarzer Weste und schwarzweiße Tanzschuhe. Wenn „ihre“ Musik spielt, gibt es für sie kein Halten. Gisela und Walter Dufner tanzen Rock ’n’ Roll seit sie 16 sind – und das ist schon ein Weilchen her. Der Wunsch zu Tanzen kam mit der Musik in den fünfziger Jahren. Nach Hessen schwappten die beschwingten Rhythmen eines Bill Haley mit den amerikanischen GIs. Man hörte sie in Bars und Clubs, sie kamen aus den beliebten Musikboxen und wurde in lauen Sommernächten auch auf der Straße zelebriert. 

Damals kannten sich Gisela und Walter zwar noch nicht, aber beide hatten schon ihre Liebe zum Rock ’n’ Roll entdeckt. Rock ’n’ Roll war damals ein Sammelbegriff für die Musik, die im Nachklang des Rythm and Blues in Amerika entstand. Der heutige Rock ’n’ Roll ist ein akrobatischer Tanz, bei dem bestimmte Figuren festgelegt sind. Der Boogie-Woogie, den Gisela und Walter tanzen, wird auf mehrere Musikrichtungen aus der Zeit wie Rock ’n’ Roll, Rockabilly, Rock, Jump Blues und Swing getanzt. Der weltweite Durchbruch dieser Musik kam mit dem Film „Saat der Gewalt“ (1955), indem Bill Haley mit seinem Rock Around the Clock das Publikum gleich zweimal in Schwung brachte. Den Film, der die Jugendprobleme der 50er Jahre thematisiert, nennt Gisela als Beginn für ihre lebenslange Rock ’n’ Roll-Leidenschaft. 

Wenig später suchte sie einen Tanzpartner und fand ihn im Jeam-Beam-Club in Langenselbold. Dort tanzte sie zum ersten Mal mit Walter, der fast genauso groß wie sie ist. „Es hat einfach gepasst zwischen uns und seitdem gingen wir überall hin, wo unsere Musik gespielt wurde“, erzählt Gisela. „Gell?“, fügt sie hinzu und lächelt zu Walter hinüber. Er nickt: „Ich habe nur AFN gehört und wenn man ausging, war überall Musik. Es gab die Milchbar in Höchst und vor allem das Frankfurter Bahnhofsviertel war unser Revier.“ In der Kaiserstraße befand sich beispielsweise das „Weindorf“, wo Rock ’n’ Roll Live-Musik von den Tielman Brothers, Javalins, Black Dynamites, Crazy Rockers usw. gespielt wurde. Nur wenige Meter weiter lag das „Maxim“ (neben dem Cream Music, in der Taunusstraße 43). Für viele war der Club die Hochburg der Boogie-Tänzer. Schon damals räumten Gisela und Walter dort Preise ab. In der Münchener Straße gab es das „St. Pauli“. Hier traten „Fats and his Cats“ auf, die damals erfolgreichste und bekannteste Band im Rhein-Main-Gebiet, an deren legendäre Auftritte sich das Paar gern erinnert.

Wenn Gisela und Walter sich in der Begeisterung des Erzählens manchmal ins Wort fallen, wird Zeitgeschichte lebendig und man wünscht sich, dass man damals dabei gewesen wäre. „Es war eine super Zeit“, schwärmt Walter. Auch unter der Woche tanzten sie oft bis in die bis in die frühen Morgenstunden. Nach nur wenigen Ruhestunden ging der gelernte Dachdecker seiner luftigen Beschäftigung über den Straßen Frankfurts nach, sie arbeitete im Büro. Lange wohnten Walter und Gisela in Bockenheim, wo auch ihre Kinder zur Welt kamen. Ganz gleich aber, was das Leben auch brachte, dem Rock ’n’ Roll sind die Beiden immer treu geblieben. 

Als „ihre Musik“ in den 60er Jahren vom Beat abgelöst wurde, suchte das Paar sich Boogie-Vereine, Festivals und Bands, zu deren Musik sie weiter swingten. Eines der größten Events dieser Art ist das Festival Golden Oldies in Wettenberg bei Gießen, wo jedes Jahr zu Oldtimern und Original-Pettycoats aus der Zeit der 40er, 50er und 60er Jahre auch die passende Musik gespielt wird. (www.goldenoldiessite.wordpress.com/das-festival-golden-oldies/)Hier sind Gisela und Walter ein begehrtes Tanzpaar, das immer wieder gebucht wird. Mit den Eis-am-Stiel-Filmen erlebte der Rock ’n’ Roll in Deutschland ein Revival. Neben Originalhits wurden beliebte Songs immer wieder gecovert, so beispielsweise von Shakin‘ Stevens („This Ole House“). 

Anfang der Neunziger gründete der Offenbacher Tom Jet seine Starlighters und von da an sind Gisela und Walter mit ihren Boogie-Einlagen ein fester Programmpunkt bei den Konzerten. Die Beiden sind insgesamt mit 12 Bands unterwegs. Im Sommer sind das 30 Termine im Monat und jedes Mal 3 – 4 Stunden. „Der Arzt will uns das am liebsten verbieten“, sagt Gisela und Walter ergänzt: „Würfe machen wir keine mehr. Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten.“ Beide feiern in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag! Wer das Paar einmal in Action erleben möchte, schaut entweder am 14. April im Wiener Hof vorbei, da feiert Tom Jet mit seinen Starlighters sein 25jähriges Jubiläum oder macht im April einen Ausflug nach Büdingen  ins Fünfziger-Jahre-Museum (www.50er-jahre-museum.de), dort wird ab 20 Uhr getanzt. Eine weitere Gelegenheit gibt es im April im Rumpenheimer Bürgerhaus. Wer die Auftritte von Tom Jet verfolgt, trifft sie dort immer an – und kann sich beim Zuschauen eine Portion Energie für künftige Lebensphasen abholen. 

 

 

 

 

 

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