Mit der Kultur per Du… Gisela von Slatow vom Kunstverein Offenbach

von Ingrid Walter, walter-wortware.de / Foto: lemnitzer-fotografie.de

Ihre lebendigen, wachen Augen, denen so schnell nichts entgeht, sieht man bei vielen Veranstaltungen. So habe ich sie kennengelernt, vor Jahren im Publikum einer Lesung im Offenbacher Kunstverein. Schon damals war Gisela von Slatow im Vorstand der ehrwürdigen Organisation, die im letzten Jahr ihren vierzigsten Geburtstag feierte. Der Offenbacher Kunstverein steht sowohl Kunstinteressierten als auch Künstlern offen und hat seinen beeindruckenden Ausstellungsraum im ersten Stock des KOMM Center. 

Es muss 2009 gewesen sein, als Gisela von Slatow zum Kunstverein Offenbach kam. Ulrike Kolbinger, die damals den etwas in Vergessenheit geratenen Verbund gemeinsam mit Geet Chorley wieder ins Leben gerufen hatte, sprach sie bei einer Ausstellung in der Heyne-Fabrik an. Gisela von Slatow, die sich schon immer für Kunst interessiert hat, fand die Idee sofort spannend, und wenig später war sie schon im Vorstand. Und das, obwohl sie damals noch sehr beschäftigt war, in der Kommunikationsagentur Ideeratio, die sie mit ihrem Mann Olaf, ihren beiden Söhnen und zehn Mitarbeitern ganze 45 Jahre lang betrieb. Auf ihre Agenturtätigkeit blickt sie mit Stolz zurück, denn viele interessante Kontakte stammen noch aus dieser Zeit. Bei Ideeratio gehörten bedeutende Unternehmen wie beispielsweise der Deutsche Wetterdienst und die EZB zu ihren Kunden. Auch das Logo für den Kunstverein und viele Filme zu den Ausstellungen sind dort entstanden.

Seit damals ist viel passiert: Der Ehemann verstarb 2013, die Agentur wurde wenig später aufgelöst – und der Kunstverein zog 2014 vom alten IHK-Gebäude am Platz der Deutschen Einheit ins KOMM. „Es war nicht einfach. Aber meine Freunde aus dem Kunstverein haben mich aufgefangen. Und zuhause sitzen geht gar nicht“, sagt Gisela von Slatow. Sie trägt einen frechen Kurzhaarschnitt und schön geschwungene feine Brauen über den Augen – außerdem einen eleganten Hosenanzug. „Ich schminke mich nicht, es ist alles wie es ist“, antwortet sie auf meine Frage nach weiblichen Äußerlichkeiten. Sie habe immer viel Sport getrieben, Tennis, Squash und Volleyball erzählt sie. Durch den Sport habe sie auch ihren Mann kennengelernt, beim Florettfechten in Frankfurt. Sport kann sie sie inzwischen keinen mehr ausüben, aber weniger aktiv ist sie nicht geworden. „Zu Fuß unterwegs sein, ist das Mindeste“, sagt sie. Ein anderes Lebenselixier für sie ist nach wie vor die Kunst. Sie sammelt Bilder und Skulpturen seit sie das erste Geld verdient hat. Als gelernte Grafikdesignerin interessiert sie sich besonders für Malerei, abstrakt und gegenständlich, aber auch für Fotografie oder Drucktechniken wie Lithografie und Serigrafie. Mit den Künstlern Bernhard Jäger und Thomas Bayrle verbindet sie seit Jahren neben der Kunstbegeisterung auch Freundschaft.

In der Schwesterstadt Frankfurt hat sie studiert, gearbeitet und lange gelebt. In Offenbach wohnt sie nun seit rund acht Jahren und ist inzwischen heimisch geworden. „Ich liebe Offenbach, weil man hier so leicht mit den Menschen in Kontakt kommt. Das ist in Frankfurt in dieser Intensität nicht möglich. Hier bin ich mit der ganzen Kultur per Du“, schwärmt sie. Ob es nun die Leiter der hiesigen Museen sind, deren Ausstellungen sie gern besucht, oder bekannte Kunstschaffende, mit denen sie sich auf einen Wein trifft. 

„Seit ich aktiv im Kunstverein bin, habe ich mich verjüngt“, sagt sie. Neben der Vorstandsarbeit, bei der es ihre Rolle ist, den Kontakt mit den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern anzubahnen und die gesamte Korrespondenz mit ihnen zu führen, betreut sie auch den Künstlerstammtisch im Caffè Cuore. „Es macht mir immer noch viel Spaß, neue Künstler kennenzulernen und mich mit Kunst auseinanderzusetzen“, erklärt sie und genießt auch das angenehme Miteinander im Kunstverein, wo man sich auf Augenhöhe begegnet. Im Vorstand des Kunstvereins hat sie schon die unterschiedlichsten Ämter inne gehabt. Seit 2014 ist sie zweite Vorsitzende neben Sylvester Kraaz, dem ersten Vorsitzenden, der den Umzug und die Etablierung im KOMM federführend betreut hat. Die verdienstvolle Arbeit der Engagierten trägt Früchte: In diesem Jahr ist der Kunstverein Offenbach mit dem Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet worden. 

Allein sein möchte Gisela von Slatow nicht und sie ist überzeugt: „Wenn man aktiv ist, lernt man auch Menschen kennen“. So sieht man sie meist umringt von einem Grüppchen bei Veranstaltungen im Haus der Stadtgeschichte oder in den unterschiedlichen Offenbacher Lokalen – und einen festen Freund hat sie auch seit einem Jahr. Ein Rezept für Gesundheit und Wohlbefinden in einem gewissen Alter hat sie für mich noch parat: Am besten keine Pillen schlucken. „Ich nehm’ mal ‚ne Aspirin, sonst nichts“.

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